Seit einigen Monaten tüfteln wir an 360° Videos und optimieren diese für unsere Virtual Reality Brillen oder für’s Web. Tag für Tag erweitert sich unser Horizont. Ganz im Sinne von Learning by Doing findet man Schwächen oder Stärken unseres 360° Systems, welches mittlerweile aus 10 GoPro Hero 4 Black Kameras besteht und dem PRO10HD v2 Rig von 360Heros. Den erstellten Content schauen wir auf Vive, Oculus und Cardboard an.

Wie machen wir’s?
Zuallererst haben wir natürlich immer eine Idee. Nehmen wir als Beispiel in diesem Fall unseren Bremer Marktplatz. Da ist viel los, da sind Menschen, da gibt es was zu sehen. Eigentlich fängt hier schon das erste konzeptionelle Problem an – aber dazu später. Also wird das 10er GoPro Rig eingepackt und ab geht die Post. Am besten stellt man das Stativ auf Augenhöhe ein und platziert es auf einen unstrukturierten Untergrund, da man diesen in der Postproduction noch retuschieren möchte. Ein Klick auf die GoPro Remote, einmal in die Hände geklatscht für die Synchronizität der 10 Kameras und schon läuft’s. Nur noch Stop gedrückt und schon war’s das.

Und dann?
In der Theorie stimmt bisher alles. Sieben Kameras filmen drumherum, eine nach oben, zwei nach unten. Die MP4-Daten sind zwischen 500 Megabyte bis 4 Gigabyte groß – je nachdem, wie lange man das ganze laufen lassen hat. Nachdem man mühselig die MicroSD Karten aus den GoPros rausgefummelt hat und diese gesichert auf der Festplatte liegen, beginnt der schwierige Teil.

High Five, äh High Ten!
Da die GoPros nicht alle gleichzeitig angehen, sondern verzögert die Aufnahme starten, muss man die Videos erst einmal synchronisieren so dass es später in Autopano Video Pro keine Probleme mehr gibt. So ganz hab‘ ich das Prinzip dieser Synchronisation nicht verstanden aber es funktioniert. Das passende Tutorial gibt es hier: https://youtu.be/ZzTqCU5j6n4 – ein Tipp: wir strukturieren unsere Aufnahmen von CAM-01 bis CAM-10 und benennen die Szenen auch so um damit wir diese in Autopano Video Pro zuordnen können. Zum Beispiel wird: GOPR0081.mp4 zu GOPR0081-CAM01.mp4.

Auto nada gaga!
Per Drag and Drop kann man dann GOPROxxx-CAM01.mp4 bis GOPRO0xxxCAM10.mp4 einwerfen. Der erste Schritt ist dann das Synchronisieren per Frames, die man vorher wie im Tutorial herausgetüffelt hat. Mit zwei Bildschirmen hat man’s hier schon etwas einfacher da man  Adobe Premiere einfach nach rechts zieht und Autopano Video auf links und zack überträgt man die Werte.

Bis hier hin scheint alles noch kein Problem. Der nächste Schritt jedoch entpuppt sich als das angekündigte Dilemma. Stitchingfehler oder durch die 10 GoPros unvermeidbare Parallaxen. Beseitigt man das eine, dann folgt das andere. Dieses Video erklärt das Parallaxen Problem ganz gut: https://youtu.be/4AbwVFkqxMk. So ganz unmöglich ist das natürlich nicht, doch die Lösung beginnt eigentlich schon in der Konzeption.

Es fängt eigentlich nicht bei „wie machen wir’s“ an sondern bei: „Was wollen wir eigentlich?“ Unser Gedanke war: je mehr GoPro’s desto besser ist die Qualität und die Überlappung der einzelnen Kameras. Ja, das stimmt im Prinzip und theoretisch haben wir eine Auflösung von 12,000 x 6,000 Pixel! Doch nutzen tut uns das im Fall des Marktplatzes nicht so viel. Ganz im Gegenteil: je mehr Kameras desto mehr Parallaxen und Fummelarbeit in der Postproduktion. Dazu kommt natürlich, dass der Marktplatz auch ziemlich belebt ist, also nicht nur ein Objekt was diese Parallaxen durchschreitet sondern mehrere. Diese zwei Tutorials verdeutlichen das Problem, aber zeigen auch eine Lösung dafür: https://youtu.be/fJi30AlLyIY & https://youtu.be/_7DHdsRe-Ug. Eine andere Methode ist diese hier: https://youtu.be/5eZmxN9sid8. Das klappt aber aus Erfahrung her nur bei Hintergründen die ruhig und am besten noch einfarbig sind, da dieser Schnitt im fertigen Video bei unruhigem Hintergrund deutlich auffällt.

Easy?!
Scheint ja ganz einfach zu sein oder? Leider nein, leider nein. In unserem Fall ist das ohne ganz viel After Effects, Maskierung und zig Ebenen einfach nicht machbar. Jede Gruppe die einen Parallaxen-Übergang überschreitet, müsste gestitcht, gerendert und in After Effects maskiert werden. Was wäre hier also die Lösung? Der Verzicht auf diese unheimliche Auflösung und als Ablenkungsmanöver Animationen während des 360° Videos! Aus Erfahrung sind es eher wir Geeks die sich die 360° Videos in 4k auf 27″ Monitoren ansehen und nach Fehlern suchen. Der Konsument ist eher damit beschäftigt diese ganzen Informationen und Eindrücke wahrzunehmen.

Also?
Technik zur Seite, Konzept in den Vordergrund! Aus Fehlern lernt man eben und Erfahrungen machen reicher. Fabian von Making360 erklärt in diesem Video seinen 360° Workflow der uns in Zukunft auch inspirieren wird: https://youtu.be/ZaKY8V5UGcE